...
mit Gefühl ...
"Ist das ne Hitze!
und kein Wind!"
An den schmalen Schattenstreifen des Clubhauses gepresst,
sitzen die potenziellen Regattateilnehmer und beobachten
die schlaffen Fahnen und die in jede Himmelsrichtung
weisenden Verklicker. Laut Internet-Wettervorhersage
ist aber 2er/3er Wind ab 14 Uhr gemeldet. Wir können
doch nicht die 2. von bisher 4 Regatten wegen 0 Wind
absagen! Ärgerlich: ausgerechnet heute, wo die
'Piata' mitsegelt, gute Crew, überaus schnelles
Schiff und ein Steuermann nach meinem Geschmack:"Während
einer Regatta hab' ich keine Freunde, nur Gegner."
-Genau! Na, erstmal Startverschiebug um eine Stunde.
Kurz vor 15 Uhr: ein Hauch von Wind, der Regattaleiter
kündigt Start für 15.15 Uhr an. Kappe auf,
Sonnenbrille an, Leinen los, verstauen, Fender weg,
Groß hoch, Genua raus, Motor hoch - wir segeln.
Rechtzeitig parat, scheinbar nicht jeder. "War
das das 5-Min.-Tut?" "Hm, vielleicht, glaube
ja!" "Drück bei 4 Min. ab!"..."Zeit?"
Die Piata passiert uns und ich sage leise:"1:20"
Jörg ungehalten:"Zeit?" Lauter:"1:15,
soll ich unserem Gegner auch die Zeit ansagen, oder
was?" Staart ...
Wir kommen nicht voran. "Petra, zieh's Schwert
hoch, wir haben Kraut gefangen." Zur Sicherheit
gleich 2 Mal hole ich das Schwert rein und lasse es
wieder ab. So... wir kommen nicht voran. Also noch Ruder
hoch und wieder ab... Wir kommen nicht voran, wir werden
ungeduldig. Jörg flucht, "Mist" hier,
"Scheiße" da, ich schnauze ihn an:"Es
reicht, okay lassen wir's bleiben, dreh rum, mach Segel
runter, geben wir uns geschlagen!" - "Willst
du segeln?" Klar! "Ich will, ich will !!"
Ich übernehme endlich die Pinne. Oh je, was'n das?
Der Verklicker hängt! Die tell tales hängen!
Na, da luv ich mal an, weil mir das wohl die Fäden
sagen -und die Genua steht back, also wieder abfallen.
Okay, heute nur nach Gefühl. Mache keine Höhe
und die Piata weit, weit voran. Und Höhe kann die
fahren. Ich fluche nicht, ich bewahre jetzt Ruhe, ich
lasse mich vom Vorsegel leiten, ich denke dran: Wenn
kein Gegner in der Nähe ist, segle dein eigenes
Rennen, segle fehlerfrei! Mehr kann man nicht machen,
damit muss man zufrieden sein. Nicht in die Windabdeckung
segeln, aber wenden mit 0,8 Knoten, da bleiben wir ja
fast stehen-wat mut, dat mut. Und die Piata entfernt
sich immer weiter. Komm Wind, sei mir hold, lass mich
nur ein bisschen anluven, damit ich hier noch um den
Schilfgürtel komme, bitte. - Kraut, ich muss wenden,
oohh.
Jetzt, es kommt Wind! 3 Knoten Fahrt, 4, 4,8 Knoten
Fahrt, ja, so macht das Spaß! Und vielleicht reißt
der Wind ja auch das vermaledeite Spinnennetz kaputt,
das den Verklicker steuerbords unbrauchbar macht. Endlich
mit Fahrt auf Boje 2 zu, runden und - Wind weg -
wir treiben jetzt aber nicht auf die Boje? Gucken, dass
wir Fahrt aufnehmen und nicht soviel Abdrift machen,
geschafft, jetzt keine Höhe verschenken, besser
auf Boje 3 abfallen können. So Boje 3 backbord
runden, Groß fieren, klar bei Spifall, hoch damit
und er steht. Erst mal weg vom schlechten Ufer, aber
auch nicht zu nah an die bevorzugte Uferseite, sonst
kommen wir nachher wieder in die Verlegenheit, bei unseren
besonderen Stockweiher-Windverhältnissen, Spi mit
fast vorlichem Wind segeln, bzw. bergen zu müssen.
Jörg:"Das Feld vor uns steht." Ja, unsere
Chance, rantasten an maximale Geschwindigkeit, Groß
etwas dichter, "Jörg, lass den Spi nur nicht
einfallen". Oh, nein, jetzt auch noch rechts ein
Motorboot und links ein Motorboot und wir mitten in
der Kreuzsee und das Groß schlägt und der
Spi fällt und ich fluuuche. Nein, ich bin konzentriert,
ich bin ruhig, unsere Mary Ann nimmt wieder Fahrt auf.
Die Seychelle unter Motor mit Motorbööötchen
im Schlepp kreuzt unsern Bug, na gut, wenn sie schon
mal da sind, wir durch ihre Wellen müssen: "Gibt's
Bahnverkürzung ?" - "Häh?"
Ich wiederhole, er auch. Was'n das jetzt ? Vor uns,
mitten auf dem See 2 Motorboote, Bug an Bug, "ankern
die?", "machen treibendes Picknick".
Ich halt drauf zu, gnädig fahren sie weg, uns entgegen,
also: rechts ein Motorboot und links ein Motorboot und
wir in der Mitte der Kreuzsee, yippi!
Da, ein rotes Begleitboot mit 'Bahnverkürzung'
an Boje 4. Und der FD dort? Fährt nen Kringel mit
Spi? -Egal, muss ich nicht verstehen. Jetzt auf Boje
1 zu, dranbleiben, es ist erst vorbei, wenn's vorbei
ist! -Nicht im Ernst auch das noch: "Hey, ihr Männer
auf der Luftmatratze, das hier ist Regattafeld !"
(weg, weg, weg), bereit machen zum Spibergen, vielleicht
noch kurz Schmetterling, okay, runden, brauchen keine
Höhe mehr, nur noch Geschwindigkeit, also flieg
Mary Ann, flieg - TUT - drin.
An den schmalen Schattenstreifen des Clubhauses gepresst,
sitzen die Regattateilnehmer und warten auf die Ergebnisse.
Man trinkt und isst und macht den fehlenden Wind hie
und da zum Thema. Marlies kommt dazu "Petra, habt
ihr wieder gewonnen." "Nee, glaub' nicht."
"Doch, die Ergebnisse hängen schon aus."
.. Reiße die Arme hoch, stoße viel zu laute
Freudesrufe aus und werde selbst von den entfernt Sitzenden
erstaunt angeguckt.
Jörg geht sich vergewissern und: "Sind nicht
Erster, Plätze sind falsch berechnet!" - Oh,
ein bisschen peinlich, wende mich nach links "Ja,
das mit der Zurückhaltung bin ich noch am lernen."
Also wird nochmal gerechnet. Der Corsair Tri wird's
wohl gemacht haben. Ich warte jetzt die Siegerehrung
ab !
"Und auf dem 3. Platz": die Piata ! Ich applaudiere
und freue mich ganz heimlich in mir, dass wir sie geschlagen
haben, ich übe mich nämlich in Zurückhaltung.
"Und den zweiten Platz belegt": der Corsair
Tri ! Ich guck' erstaunt, ich grinse breit, ,ich applaudiere
- laut - besonders laut - dahin ist die Zurückhaltung!
(Okay, ein bisschen peinlich) Was soll ich machen, das
ist Leidenschaft!
Aber ich übe weiter.
Petra und Frontmann Jörg auf
der Mary Ann
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