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Regattabericht 2010
 

... mit Gefühl ...

"Ist das ne Hitze! und kein Wind!"
An den schmalen Schattenstreifen des Clubhauses gepresst, sitzen die potenziellen Regattateilnehmer und beobachten die schlaffen Fahnen und die in jede Himmelsrichtung weisenden Verklicker. Laut Internet-Wettervorhersage ist aber 2er/3er Wind ab 14 Uhr gemeldet. Wir können doch nicht die 2. von bisher 4 Regatten wegen 0 Wind absagen! Ärgerlich: ausgerechnet heute, wo die 'Piata' mitsegelt, gute Crew, überaus schnelles Schiff und ein Steuermann nach meinem Geschmack:"Während einer Regatta hab' ich keine Freunde, nur Gegner." -Genau! Na, erstmal Startverschiebug um eine Stunde.
Kurz vor 15 Uhr: ein Hauch von Wind, der Regattaleiter kündigt Start für 15.15 Uhr an. Kappe auf, Sonnenbrille an, Leinen los, verstauen, Fender weg, Groß hoch, Genua raus, Motor hoch - wir segeln. Rechtzeitig parat, scheinbar nicht jeder. "War das das 5-Min.-Tut?" "Hm, vielleicht, glaube ja!" "Drück bei 4 Min. ab!"..."Zeit?" Die Piata passiert uns und ich sage leise:"1:20" Jörg ungehalten:"Zeit?" Lauter:"1:15, soll ich unserem Gegner auch die Zeit ansagen, oder was?" Staart ...
Wir kommen nicht voran. "Petra, zieh's Schwert hoch, wir haben Kraut gefangen." Zur Sicherheit gleich 2 Mal hole ich das Schwert rein und lasse es wieder ab. So... wir kommen nicht voran. Also noch Ruder hoch und wieder ab... Wir kommen nicht voran, wir werden ungeduldig. Jörg flucht, "Mist" hier, "Scheiße" da, ich schnauze ihn an:"Es reicht, okay lassen wir's bleiben, dreh rum, mach Segel runter, geben wir uns geschlagen!" - "Willst du segeln?" Klar! "Ich will, ich will !!" Ich übernehme endlich die Pinne. Oh je, was'n das? Der Verklicker hängt! Die tell tales hängen! Na, da luv ich mal an, weil mir das wohl die Fäden sagen -und die Genua steht back, also wieder abfallen. Okay, heute nur nach Gefühl. Mache keine Höhe und die Piata weit, weit voran. Und Höhe kann die fahren. Ich fluche nicht, ich bewahre jetzt Ruhe, ich lasse mich vom Vorsegel leiten, ich denke dran: Wenn kein Gegner in der Nähe ist, segle dein eigenes Rennen, segle fehlerfrei! Mehr kann man nicht machen, damit muss man zufrieden sein. Nicht in die Windabdeckung segeln, aber wenden mit 0,8 Knoten, da bleiben wir ja fast stehen-wat mut, dat mut. Und die Piata entfernt sich immer weiter. Komm Wind, sei mir hold, lass mich nur ein bisschen anluven, damit ich hier noch um den Schilfgürtel komme, bitte. - Kraut, ich muss wenden, oohh.
Jetzt, es kommt Wind! 3 Knoten Fahrt, 4, 4,8 Knoten Fahrt, ja, so macht das Spaß! Und vielleicht reißt der Wind ja auch das vermaledeite Spinnennetz kaputt, das den Verklicker steuerbords unbrauchbar macht. Endlich mit Fahrt auf Boje 2 zu, runden und - Wind weg -
wir treiben jetzt aber nicht auf die Boje? Gucken, dass wir Fahrt aufnehmen und nicht soviel Abdrift machen, geschafft, jetzt keine Höhe verschenken, besser auf Boje 3 abfallen können. So Boje 3 backbord runden, Groß fieren, klar bei Spifall, hoch damit und er steht. Erst mal weg vom schlechten Ufer, aber auch nicht zu nah an die bevorzugte Uferseite, sonst kommen wir nachher wieder in die Verlegenheit, bei unseren besonderen Stockweiher-Windverhältnissen, Spi mit fast vorlichem Wind segeln, bzw. bergen zu müssen.
Jörg:"Das Feld vor uns steht." Ja, unsere Chance, rantasten an maximale Geschwindigkeit, Groß etwas dichter, "Jörg, lass den Spi nur nicht einfallen". Oh, nein, jetzt auch noch rechts ein Motorboot und links ein Motorboot und wir mitten in der Kreuzsee und das Groß schlägt und der Spi fällt und ich fluuuche. Nein, ich bin konzentriert, ich bin ruhig, unsere Mary Ann nimmt wieder Fahrt auf. Die Seychelle unter Motor mit Motorbööötchen im Schlepp kreuzt unsern Bug, na gut, wenn sie schon mal da sind, wir durch ihre Wellen müssen: "Gibt's Bahnverkürzung ?" - "Häh?" Ich wiederhole, er auch. Was'n das jetzt ? Vor uns, mitten auf dem See 2 Motorboote, Bug an Bug, "ankern die?", "machen treibendes Picknick". Ich halt drauf zu, gnädig fahren sie weg, uns entgegen, also: rechts ein Motorboot und links ein Motorboot und wir in der Mitte der Kreuzsee, yippi!
Da, ein rotes Begleitboot mit 'Bahnverkürzung' an Boje 4. Und der FD dort? Fährt nen Kringel mit Spi? -Egal, muss ich nicht verstehen. Jetzt auf Boje 1 zu, dranbleiben, es ist erst vorbei, wenn's vorbei ist! -Nicht im Ernst auch das noch: "Hey, ihr Männer auf der Luftmatratze, das hier ist Regattafeld !" (weg, weg, weg), bereit machen zum Spibergen, vielleicht noch kurz Schmetterling, okay, runden, brauchen keine Höhe mehr, nur noch Geschwindigkeit, also flieg Mary Ann, flieg - TUT - drin.
An den schmalen Schattenstreifen des Clubhauses gepresst, sitzen die Regattateilnehmer und warten auf die Ergebnisse. Man trinkt und isst und macht den fehlenden Wind hie und da zum Thema. Marlies kommt dazu "Petra, habt ihr wieder gewonnen." "Nee, glaub' nicht." "Doch, die Ergebnisse hängen schon aus." .. Reiße die Arme hoch, stoße viel zu laute Freudesrufe aus und werde selbst von den entfernt Sitzenden erstaunt angeguckt.
Jörg geht sich vergewissern und: "Sind nicht Erster, Plätze sind falsch berechnet!" - Oh, ein bisschen peinlich, wende mich nach links "Ja, das mit der Zurückhaltung bin ich noch am lernen." Also wird nochmal gerechnet. Der Corsair Tri wird's wohl gemacht haben. Ich warte jetzt die Siegerehrung ab !
"Und auf dem 3. Platz": die Piata ! Ich applaudiere und freue mich ganz heimlich in mir, dass wir sie geschlagen haben, ich übe mich nämlich in Zurückhaltung.
"Und den zweiten Platz belegt": der Corsair Tri ! Ich guck' erstaunt, ich grinse breit, ,ich applaudiere - laut - besonders laut - dahin ist die Zurückhaltung! (Okay, ein bisschen peinlich) Was soll ich machen, das ist Leidenschaft!
Aber ich übe weiter.

Petra und Frontmann Jörg auf der Mary Ann

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